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13 AEDL nach Krohwinkel: Übersicht & Pflegeplanung

Die 13 AEDL nach Monika Krohwinkel sind das praktische Rückgrat unzähliger Pflegeplanungen in Deutschland. Wer sie sicher beherrscht, dokumentiert schneller, individueller und rechtssicherer. In diesem Leitfaden bekommst du die komplette Übersicht aller 13 AEDL, verstehst den Unterschied zu den ABEDL und siehst an konkreten Beispielen, wie du daraus eine saubere Pflegeplanung formulierst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was bedeutet AEDL?
  2. AEDL oder ABEDL? Der wichtige Unterschied
  3. Die 13 AEDL nach Krohwinkel im Überblick
  4. Die 13 AEDL einzeln erklärt
  5. Pflegeplanung nach den AEDL: So gehst du vor
  6. AEDL-Formulierungshilfen: drei Praxisbeispiele
  7. Die AEDL und das Strukturmodell (SIS) heute
  8. Wichtige Erkenntnisse zu den AEDL
  9. Häufig gestellte Fragen
  10. Mach die AEDL zu deiner fachlichen Stärke

Dieser Leitfaden zeigt dir, wofür AEDL und ABEDL stehen, welche 13 Lebensaktivitäten dazugehören und wie du sie in der Pflegeplanung anwendest. Mit Übersichtstabelle und fertigen Formulierungsbeispielen, die du direkt für deine Dokumentation nutzen kannst.

Was bedeutet AEDL?

AEDL steht für Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens. Dahinter steht das Modell der fördernden Prozesspflege der deutschen Pflegewissenschaftlerin Monika Krohwinkel, das sie Mitte der 1980er Jahre erstmals konzeptionell veröffentlichte und Anfang der 1990er im Rahmen einer Pflegestudie weiterentwickelte.

Die Grundidee: Pflege wird über zentrale Lebensbereiche strukturiert, die jeder Mensch täglich gestaltet – vom Kommunizieren über das Essen und Trinken bis zum Umgang mit schweren Lebenserfahrungen. So entsteht ein vollständiges Bild eines Menschen, das die Pflegeplanung trägt.

Wichtig ist dabei der ressourcenorientierte Blick: Die AEDL fragen nicht nur nach Defiziten, sondern immer auch danach, was ein Mensch noch selbst kann. Ziel ist es, diese Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern, statt sie ihm abzunehmen.

Anwendung:
– Verstehe die AEDL als Raster, das alle wichtigen Lebensbereiche eines Menschen abdeckt.
– Erfasse bei jeder Aktivität sowohl Fähigkeiten als auch Einschränkungen.
– Nutze sie als Grundlage für eine systematische, individuelle Pflegeplanung.

AEDL oder ABEDL? Der wichtige Unterschied

Beide Begriffe meinen dasselbe Modell – der Unterschied liegt in einer Weiterentwicklung. Ursprünglich sprach Krohwinkel von den AEDL (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens).

1999 erweiterte sie das Modell um den Faktor Beziehungen, weil zwischenmenschliche Beziehungen für Gesundheit und Wohlbefinden eine so zentrale Rolle spielen. Seitdem lautet die korrekte Bezeichnung ABEDL: Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens.

Inhaltlich änderte sich die Zahl der Lebensbereiche nicht – es bleiben 13. Die Beziehungen ziehen sich seither aber als roter Faden durch das gesamte Modell. In der Fachliteratur gilt ABEDL als die aktuelle Bezeichnung. In der Praxis wird jedoch häufig weiterhin von „AEDL“ gesprochen – meist im selben Sinn.

Anwendung:
– Verwende „ABEDL“, wenn du die aktuelle Modellbezeichnung meinst.
– Denke bei jeder Aktivität die Beziehungsebene mit – sie ist seit 1999 fester Bestandteil.
– Lass dich von der doppelten Bezeichnung nicht verunsichern: Gemeint ist dasselbe Modell.

Die 13 AEDL nach Krohwinkel im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt dir alle 13 AEDL bzw. ABEDL mit einem kurzen Fokus. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander und beeinflussen sich gegenseitig – die Nummerierung ist also keine Rangfolge.

Nr. AEDL / ABEDL Worum es geht
1 Kommunizieren können Sich mitteilen, verstehen und verstanden werden
2 Sich bewegen können Mobilität, Lagerung, Sturzvermeidung
3 Vitale Funktionen aufrechterhalten Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur
4 Sich pflegen können Körperpflege, Hautpflege, Mundpflege
5 Essen und trinken können Ernährung, Flüssigkeit, Mangelernährung vermeiden
6 Ausscheiden können Kontinenz, Toilettengang, Ausscheidung
7 Sich kleiden können An- und Auskleiden, passende Kleidung
8 Ruhen und schlafen können Schlaf, Erholung, Tag-Nacht-Rhythmus
9 Sich beschäftigen können Aktivität, Tagesstruktur, Förderung
10 Sich als Mann oder Frau fühlen Geschlechtsidentität, Intimität, Selbstbild
11 Für eine sichere Umgebung sorgen Sicherheit, Orientierung, Schutz vor Gefahren
12 Soziale Bereiche sichern Beziehungen, Kontakte, soziale Teilhabe
13 Mit existenziellen Erfahrungen umgehen Sinn, Angst, Verlust, Hoffnung, Glaube

Die 13 AEDL einzeln erklärt

Damit du jede Aktivität sicher einordnen kannst, hier ein kompakter Blick auf die einzelnen Bereiche.

1. Kommunizieren können umfasst alles, was Verständigung ausmacht: Sprache, Hören, Sehen, Mimik und Gestik. Hier erfasst du auch Einschränkungen wie Aphasie, Schwerhörigkeit oder fehlende Brille.

2. Sich bewegen können betrifft Mobilität, Gehen, Stehen, Transfer und Lagerung. Eng verbunden sind Themen wie Sturzrisiko und Kontrakturenprophylaxe.

3. Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten meint Atmung, Kreislauf, Puls, Blutdruck und Körpertemperatur – also die lebenswichtigen Körperfunktionen und ihre Überwachung.

4. Sich pflegen können umfasst die gesamte Körperpflege: Waschen, Hautpflege, Mund- und Zahnpflege, Nagel- und Haarpflege. Gerade hier ist der ressourcenorientierte Blick entscheidend.

5. Essen und trinken können dreht sich um Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Appetit, Schluckfähigkeit und das Vermeiden von Mangelernährung und Austrocknung.

6. Ausscheiden können betrifft Blasen- und Darmfunktion, Kontinenz, Toilettengang und den Umgang mit Hilfsmitteln wie Inkontinenzmaterial oder Kathetern.

7. Sich kleiden können umfasst das An- und Auskleiden sowie die Auswahl angemessener, witterungs- und situationsgerechter Kleidung – ein wichtiger Ausdruck von Selbstständigkeit und Würde.

8. Ruhen, schlafen und sich entspannen können betrifft Schlafqualität, Erholung, Tag-Nacht-Rhythmus und Einschlafrituale.

9. Sich beschäftigen, lernen und sich entwickeln können meint Aktivität, Tagesstruktur, Hobbys und geistige wie körperliche Anregung.

10. Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten können umfasst Geschlechtsidentität, Selbstbild, Intimität und Sexualität – ein oft unterschätzter, aber wichtiger Bereich.

11. Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können betrifft Sicherheit, Orientierung und den Schutz vor Gefahren wie Stürzen, Verbrühungen oder Weglauftendenzen.

12. Soziale Bereiche des Lebens sichern und gestalten können rückt Beziehungen, soziale Kontakte und Teilhabe in den Fokus – genau jener Aspekt, den die ABEDL-Erweiterung betont.

13. Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können umfasst den Umgang mit Sinnfragen, Angst, Verlust, Trauer, Hoffnung und Glaube – die seelische und spirituelle Dimension der Pflege.

Anwendung:
– Geh bei der Pflegeanamnese alle 13 Bereiche bewusst durch, auch die leicht übersehenen.
– Achte besonders auf die ABEDL 10, 12 und 13 – sie geraten im Alltag oft in den Hintergrund.

Pflegeplanung nach den AEDL: So gehst du vor

Die eigentliche Stärke der AEDL zeigt sich in der Pflegeplanung. Für jeden relevanten Bereich arbeitest du dich an einer klaren Logik entlang, die deine Planung nachvollziehbar und überprüfbar macht.

Bewährt hat sich diese Struktur für jede AEDL:

  • Ressourcen – Was kann der Mensch noch selbst? Worauf kannst du aufbauen?
  • Pflegeproblem – Wo besteht eine Einschränkung oder ein Risiko?
  • Pflegeziel – Was soll erreicht werden? Formuliere es konkret und überprüfbar.
  • Maßnahmen – Mit welchen konkreten Handlungen erreichst du das Ziel?

Wichtig ist, immer mit den Ressourcen zu beginnen. So bleibt die Planung fördernd statt bevormundend – ganz im Sinne von Krohwinkels Modell. Pflegeziele formulierst du am besten so, dass sie messbar und realistisch sind, damit du den Erfolg später bewerten kannst.

Anwendung:
– Plane nur die AEDL aus, bei denen tatsächlich ein Problem oder Risiko besteht.
– Beginne jede AEDL mit den Ressourcen des Menschen.
– Formuliere Ziele konkret, positiv und überprüfbar.

AEDL-Formulierungshilfen: drei Praxisbeispiele

Theorie ist das eine – hier siehst du, wie eine AEDL-Pflegeplanung konkret aussehen kann. Die Beispiele sind bewusst einfach gehalten und dienen als Orientierung, die du an die individuelle Situation anpasst.

Beispiel 1 – Sich pflegen können:
Ressource: Frau K. wäscht Gesicht und Oberkörper selbstständig.
Problem: Aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit kann sie Beine und Rücken nicht selbst waschen.
Ziel: Frau K. führt die Körperpflege im Oberkörperbereich weiterhin selbst durch, die Haut bleibt intakt.
Maßnahmen: Ressourcen erhalten und zur Eigenpflege anleiten, schwer erreichbare Bereiche übernehmen, tägliche Hautbeobachtung, rutschfeste Hilfsmittel bereitstellen.

Beispiel 2 – Sich bewegen können:
Ressource: Herr B. kann mit Rollator kurze Strecken gehen.
Problem: Erhöhtes Sturzrisiko durch unsicheren Gang und Schwindel beim Aufstehen.
Ziel: Herr B. bewegt sich sturzfrei innerhalb seines Zimmers.
Maßnahmen: Transfer anleiten und sichern, langsames Aufstehen üben, Hilfsmittel in Reichweite, Stolperfallen entfernen, Bewegungsförderung nach Plan.

Beispiel 3 – Essen und trinken können:
Ressource: Frau L. isst selbstständig mit angepasstem Besteck.
Problem: Reduzierte Trinkmenge mit Risiko der Austrocknung.
Ziel: Frau L. trinkt täglich mindestens die mit ihr vereinbarte Flüssigkeitsmenge.
Maßnahmen: Lieblingsgetränke bereitstellen, regelmäßig zum Trinken anbieten und erinnern, Trinkprotokoll führen, Angehörige einbeziehen.

Anwendung:
– Nutze die vier Bausteine Ressource, Problem, Ziel und Maßnahme als festes Schema.
– Übernimm Formulierungen nie eins zu eins, sondern passe sie individuell an.
– Dokumentiere messbare Ziele, damit du den Erfolg evaluieren kannst.

Die AEDL und das Strukturmodell (SIS) heute

Lange Zeit war die AEDL-Struktur der Standard für Pflegeplanung und Dokumentation. Mit der Entbürokratisierung der Pflegedokumentation hat sich vieles auf die Strukturierte Informationssammlung (SIS) im Rahmen des Strukturmodells verlagert – einen schlankeren Einstieg in den Pflegeprozess mit sechs Themenfeldern.

Die SIS ist heute das empfohlene und in vielen Einrichtungen verwendete Standardverfahren und hat die klassische Pflegeplanung nach AEDL und ATL weitgehend abgelöst – auch wenn AEDL und ABEDL in Konzepten und Dokumentationssystemen häufig weitergeführt oder kombiniert werden. Sie knüpft dabei an dieselben pflegefachlichen Grundprinzipien an: das Denken in Lebensbereichen, Ressourcen, Risiken und individuellen Bedürfnissen.

Für dich heißt das: Wer die AEDL sicher beherrscht, hat das fachliche Fundament, um jede Form der Pflegeplanung souverän auszufüllen. Genau dieses Fundament vertiefst du in den Weiterbildungen von LIVENTO – praxisnah, flexibel und mit anerkanntem Abschluss.

Anwendung:
– Verstehe die AEDL als fachliche Grundlage, nicht als überholtes Dokumentationsschema.
– Übertrage das Denken in Ressourcen und Bedürfnissen auf die SIS.

Wichtige Erkenntnisse zu den AEDL

  • AEDL = 13 Lebensbereiche: Sie strukturieren die Pflege ganzheitlich, von der Körperpflege bis zu existenziellen Erfahrungen.
  • ABEDL ist die aktuelle Form: Seit 1999 ergänzt der Faktor Beziehungen das Modell – die Zahl 13 bleibt.
  • Ressourcen zuerst: Die AEDL fragen immer auch danach, was ein Mensch noch selbst kann.
  • Stärke in der Pflegeplanung: Mit dem Schema Ressource, Problem, Ziel, Maßnahme wird jede AEDL zur klaren Planung.
  • Weiterhin relevant: Auch im Zeitalter der SIS bleiben die AEDL das fachliche Fundament.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet AEDL?

AEDL steht für „Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens“. Es ist das zentrale Strukturraster im Pflegemodell der fördernden Prozesspflege von Monika Krohwinkel und umfasst 13 Lebensbereiche.

Was ist der Unterschied zwischen AEDL und ABEDL?

AEDL und ABEDL bezeichnen dasselbe Modell. 1999 erweiterte Krohwinkel die AEDL um den Faktor Beziehungen, seitdem lautet die korrekte Bezeichnung ABEDL: „Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens“. Die Zahl der Lebensbereiche bleibt bei 13.

Welche 13 AEDL gibt es?

Die 13 AEDL sind: Kommunizieren, Sich bewegen, Vitale Funktionen aufrechterhalten, Sich pflegen, Essen und trinken, Ausscheiden, Sich kleiden, Ruhen und schlafen, Sich beschäftigen, Sich als Mann oder Frau fühlen, Für eine sichere Umgebung sorgen, Soziale Bereiche sichern und Mit existenziellen Erfahrungen umgehen.

Wer hat die AEDL entwickelt?

Die AEDL gehen auf die deutsche Pflegewissenschaftlerin Monika Krohwinkel zurück. Sie entwickelte das Modell der fördernden Prozesspflege, das sie Mitte der 1980er Jahre erstmals veröffentlichte und Anfang der 1990er weiterentwickelte.

Wie schreibe ich eine Pflegeplanung nach AEDL?

Gehe für jede relevante AEDL nach dem Schema Ressource, Pflegeproblem, Pflegeziel und Maßnahme vor. Beginne immer mit den Ressourcen, formuliere überprüfbare Ziele und leite daraus konkrete Maßnahmen ab.

Werden die AEDL heute noch verwendet?

Ja. Auch wenn viele Einrichtungen auf die Strukturierte Informationssammlung (SIS) umgestellt haben, bleiben die AEDL das fachliche Fundament. Das Denken in Lebensbereichen und Ressourcen bildet weiterhin die Grundlage für die Pflegeplanung.

Mach die AEDL zu deiner fachlichen Stärke

Die AEDL sind mehr als ein Schema – sie sind das Denkgerüst hinter individueller, nachvollziehbarer Pflege. Wer sie sicher beherrscht, plant schneller, dokumentiert klarer und pflegt begründeter. Genau das lernst du praxisnah in den Weiterbildungen von LIVENTO.

Mehr zum großen Ganzen findest du in unserem Überblick zu den wichtigsten Pflegemodellen – und wie Biografie und Beziehungen die Pflege prägen, zeigt unser Beitrag zur Biografiearbeit in der Pflege.

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